25 Sep 2020

Review – Planet Eclipse EMF100 / MG100

Da die MG100 mittlerweile in der Magfed-Community mehr Verbreitung findet und die Lieferzeiten wieder kürzer werden, war für uns ein guter Anlass uns die EMF100 (bzw. MG100, wie sie vor der Umbenennung von PlanetEclipse genannt wurde) auch einem ausführlichem Review zu unterziehen.

 

Lieferumfang / Unboxing / Ersteindruck

Die EMF100 kommt wie von PE gewohnt in einem schicken Pappkarton, der neben dem Markierer selbst, eine abnehmbare Front-Shroud, den PE-eigenen Lauf, ein Dye DAM 2×10’er Magazin, passende Eclipse-Federn, eine ausführlich bebilderte Anleitung sowie einen grossen Satz Ersatzeile beinhaltet. Ganz „Out-of-the-Box“ spielbar ist die MG100 nicht, dazu fehlt ein Luftsystem und (je nach Spielweise und -Land) Ersatzmagazine & ein Exportfederkit zur Verwendung bei Events im Ausland. Letzteres kostet ca 8€ und ist sehr sinnvoll, sollte man im benachbarten Ausland spielen gehen wollen, da die 7,5 Joule (ca 214 fps) technisch sonst nicht überschritten werden können (unsere EMF lief mit den „Stock“ Federn irgendwo zwischen 190-200fps, was für deutsche Felder völlig ausreichend ist).

Der erste Eindruck war war ein sehr positiver, die Fertigungsqualität ist hier, wie von PE gewohnt, erstklassig, der Markierer fühlt sich gut und wertig an. Die äusseren Bauteile sind aus GRN (Glasfaserverstärktem Kunststoff/Nylon), die Funktionsteile im Inneren aus verstärktem Aluminium.

Der Abzug ist knackig und kurz, der Druckpunkt deutlich fühlbar.

Modularität / Handling

Da die EMF keine Replik eines Sturmgewehrs darstellt, ist die Modularität „von Haus aus“ leider eingeschränkt. Zwar lässt sich die Front-Shroud mittig teilen, um so kürzere Setups zu ermöglichen, ich hätte persönlich aber die Möglichkeit, z.B. über eine Barrel-Nut beliebige Fronten aus z.B. der AR/M4-Welt aufzunehmen, deutlich lieber gehabt.

Die EMF verfügt allerdings über eine grosse Picatinny-Schiene (bzw. MIL-STD-1913 / STANAG 232), über die sich diverses Zubehör anbringen lässt. Ursprünglich hatte ich die seitlichen Löcher für M-Lok kompatibel behalten, leider sind diese wenige Millimeter zu klein, um M-Lok Zubehör aufzunehmen. Warum man da nicht gleich die korrekte M-Lok Grösse verwendet hat, erschliesst sich mir nicht. Mit mit einem Dremel ist das aber innerhalb von wenigen Minuten erledigt, trotzdem schade.  Wo wir gerade beim Dremel sind. Zweiter Kritikpunkt hier: die Front-Shroud ist zu eng, um viele Aftermarket-Läufe aufzunehmen, auch hier hilft leider nur Dremel-Einsatz.

Das Handling hingegen ist einwandfrei, der Markierer liegt gut ausbalanciert in der Hand & ist für seien Grösse überraschend leicht und führig. Der Schwerpunkt liegt, ohne Zubehör und mit dem PWR-Stock) recht weit hinten. Generell ist es aber sehr schwierig eine allgemeingültig Aussage zum Handling zu treffen, denn vermutlich wird jeder Spieler nach und nach den Markierer mit Zubehör, anderen Stocks, Frontgriffen und Lauflängen auf seine jeweiligen Vorzüge umbauen (in diese Fall mit einem 503 Holosun, einem Magpul-Frontgrip, einem Double Pressure Pad & einer ausgegossenen SureFire-Attrappe sowie einem PEQ15-Dummy.

Mein Muskelgedächtnis ist dadurch, dass ich viel mit einer T15 unterwegs bin, keine große Hilfe beim verwenden der EMF. Diese hat dafür ein grundlegend anderes Ergonomie / Bedienkonzept bzw. erfordert eine völlig andere Bedienung. Die Sicherung ist über einen Push-Pin über dem Abzug gelöst, der sich recht schnell – auch mit „langem Finger am Abzug“ deaktivieren-, bzw. mit dem Daumen aktivieren lässt. Einer der Knackpunkte beim Handling ist für mich der Magazine-Release, der wie bei einer Kalashnikov mittig hinter dem eigentlichen Magazin ausgeführt ist. Schnelle Reloads sind damit für mich schwieriger. Schöner wäre hier eine Lösung gewesen, bei der die Hand am Griffstück das Magazin lösen kann. Aktuell geht das (ohne Umbauten nur über den ausgestreckten Mittelfinger). Hier deuten sich schon Lösungen aus dem 3D-Gedruckten Bereich an, aber vielleicht gibt es seitens PE auch die Möglichkeit hier eine ergonomisch bessere Variante nachrüstbar zu machen.

Erfahrung / Ingame / Praxis

Auf dem Feld und beim chronen bestätigt sich der allgemein gute Eindruck der EMF. Sie ist mit einem Inbus am Pops-On/Off einfach zu chronen. Der Kick ist sehr angenehm, der Schuss vergleichbar Leise und der Abzug knackig.  Der Stock-Lauf ist bereits gut, lässt sich aber durch die Verwendung eines Freaksets noch deutlich in der Leistung steigern. Sowohl die mitgelieferten Dye-Magazine, als auch die CF-20 Magazine, die bald erscheinen werden, laufen sehr sauber und machen einen recht unverwüstlichen Eindruck, sowohl mit brüchiger Paint, als auch mit First-Strikes. Durch die etwas Bauform der Magazine passen die meisten Magazintaschen, die entweder auf G36, oder 7.62mm Munition ausgelegt sind.

Das ist auch einer der Punkte, die die EMF aktuell vielen Markieren voraus hat. Durch den Gamma-Core ist sie sehr wartungsarm, kann auch mit sehr brüchiger Paint umgehen und ist gemessen an Ihrem Preis von der reinen Leistung technisch vielen aktuellem Magfed-Markierern überlegen. Da der Markierer nicht nach dem – im Magfed üblichen – Blowback-Prinzip funktioniert, kann er mit viel niedrigerem Arbeitsdruck betrieben werden & ist so deutlich effizienter & konstanter wie seine Konkurrenz. Einstellungen wie Recock o.ä. entfallen dadurch komplett.

Es können alle Standard-Cocker-Läufe montiert werden (wenn die Front-Shroud entsprechend ausgeschliffen wird, wie oben erwähnt)

Im Allgemeinen wird es schwierig werden, einen Markierer zu finden, der ohne grosses technisches Verständnis des Benutzers so zuverlässig funktioniert wie die EMF.

Arbeiten / Wartung / Reparatur / Beachten / Tipps

Abschliessend gibt es nich ein paar Punkte, zur Wartung: Der Bolt lässt sich nach einen aus dem Markierer herausnehmen, nachdem die Schulterstütze abgenommen ist – wir haben uns da mit einer „Ausziehhilfe“ aus dem 3D-Drucker beholfen. Allerdings geht das auch problemlos mit dem mitgelieferten Inbussatz.

Wartung Bolt / Drivetrain

Generell sollte der Bolt ausschließlich gefettet werden – eine Tube Fett wird direkt mitgeliefert, handelsübliches DOW33 habe ich auch erfolgreich genutzt.

Der komplette Drivetrain lässt sich komplett per Hand zerlegen, der vordere O-Ring muss nicht entfernt werden, der komplette Bolt/Drive Train lässt sich einfach nach dem losschrauben in seine Einzelteile zerlegen. Die folgende Wartung sollte ca alle 100.000 Schuss ausgeführt werden, bei Nutzung in raueren Umgebungen (Sand, grosse Hitze, Wasser, grosse Kälte o.ä) alle 50.000 Schuss .

Wenn der komplette Bolt zerlegt ist, alles mit einem Microfaser-Tuch reinigen & sämtliche O-Ringe überprüfen und neu fetten. Danach in umgekehrter Reihenfolge wieder einbauen. Dabei reicht es, die Komponenten handfest anzuziehen – bei übermäßiger Kraftanwendung geht man hier das Risiko ein, Bauteile zu beschädigen.

Wartung Three Way

Um das Dreiwege-Ventil zu warten, muss zuerst der Upper- vom Lower-Receiver der EMF getrennt werden, dies geschieht über 2 Sechskant-Schrauben auf der Unterseite des Lowers.  Dabei muss nur darauf geachtet werden, dass die Dichtung des Transfer-Blocks nicht verloren geht, manchmal bleibt diese auch auf der Unterseite des Uppers kleben. 

Danach müssen die Griffe entfernt werden, um den hinteren hinteren Messing-Pin zu entfernen, der das 3-Wege Ventil fixiert.

Danach lassen sich der Transfer-Block & das 3-Wege-Ventil einfach entfernen.

Die vordere Schraube Messingschraube des Ventils lässt sich mit der Hand einfach entfernen & und der 3-Way-Shaft entfernen. Hier alles mit einem Microfasertuch reinigen, ggf O-Ringe auf defekte untersuchen und ersetzen, neu fetten und wieder in umgekehrter Reihenfolge einsetzen.

Wenn das komplette Ventil wieder eingesetzt werden soll, muss lediglich darauf geachtet werden, dass der Push-Pin des Triggers im der vorderen Position ist, sonst lässt sich das Ventil nicht einsetzen.

Nachteile

Schönheit ist immer subjektiv, und genau dort spalten sich gerne die Meinungen zur EMF. Wenn ich mir etwas hätte wünschen können, wären es eigentlich nur ein paar Punkte. Einen Airstock, der die Flasche (wie beim Mittbewerb) deutlich höher setzt und sich in die Schulterstütze integrieren lässt. Das wäre in meinen Augen optisch schöner und würde die Zeit, die man von einem rechts- auf einen Linksanschlag braucht, deutlich verkürzen. Allerdings verstehe ich, dass man bei PE auf bestehende- und bewährte Systeme gesetzt hat, vermutlich hätte man dann als Basis nicht mehr die Emek100 nehmen können, sondern man hätte von Null anfangen müssen, was bei einem “Erstlingsmarkierer” im Szenariobereich ein grosses Risiko darstellen muss. Als zweiten Punkt habe ich die gefrästen Löcher an der Shroud, einfach werksseitig auf M-Lok fräsen – und bitte auch gleich die Front so weit auf, dass andere Läufe direkt passen.

Vorteile

Es gibt aktuell mehrere Punkte, die klar für die EMF100 / MG100 sprechen. Planet Eclipse hat es geschafft, ein robustes Mech-Pneu-System in einen magazinbetriebenen und Firststrike-kompartiblen, leichten und modularen Body zu packen. Bisher sind mir nur Magfed-Systeme bekannt, die wie erwähnt auf alter Blowback-Technik basieren, wie wir sie schon gefühlt 100 Jahre von Tippman98 über diverse Spyder-Clone kennen und die – im Turnier-Bereich- schon lange veraltet und überholt sind. Ausnahmen hiervon bilden eigentlich nur die Dye DAM, die technisch gesehen ein E-Pneu ist & zum Betrieb Batterien braucht – und natürlich rein mechanische Systeme, wie die SAR12 u.ä, die wiederum starke Abstriche bei der Geschwindigkeit von Folgeschüssen machen müssen. Die neuen PE CF20 Magazine bringen den Markierer jetzt auch auf Augenhöhe mit anderen Systemen, was kontinuierliche Magazinkapazität angeht. Dazu kommt, dass die Magazine nicht mehr selbstständig entladen können, weil der “Nippel” der die Magazine sonst im Markierer auslöst, fehlt. Dazu kommt, dass die geladenen Magazine ausserhalb des Magazinschachts vollkommen verschlossen sind und bleiben. Das Material ist robust und leicht, die “inneren Werte” grösstenteils gefräst und nicht gegossen oder gepresst. Ergänzend kommt hinzu, dass die EMF in Verbindung mit dem – als Zubehör angebotenem – PWR-Stock den Anschlag so tief setzt, dass man ohne Verwendung eines Risers ein sauberes Absehen bekommt. Dazu benötigt man für den Markier keine besonderen neuen Läufe, die EMF nimmt Standard-Cocker Läufe auf. Die FPS-Schwankungen sind – bauartbedingt – ebenfalls sehr gering & der Luftverbrauch vergleichbar niedrig. 

Fazit

Die EMF ist preis-leistungstechnisch vermutlich gerade die erste Wahl, wenn man nicht unbedingt 100% Realitätsnähe braucht, und ein System benötigt, dass quasi “Out of the Box” zuverlässig funktionieren soll. Aktuell ist sie die erste EMF im Team & wird mich ab jetzt zusammen mit meiner T15 auf kommende Events begleiten. Ich bin froh, dass PE jetzt etwas Wind in die Szene bringt – und gespannt wie sich deren Magfed/Scenario-Abteilung in Zukunft entwickelt.

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